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Der Schwedenchopper übt unübersehbar eine ganz besondere Faszination auf viele Custombike-Fahrer und Bauer aus, egal aus welcher Ecke der Szene sie kommen oder welcher Nationalität sie angehören. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind Ästheten, lieben die klare Linie und verabscheuen Schnörkel jeder Art. Doch es gehört mehr dazu einen Schwedenchopper auf die Räder zu stellen, als einfach nur alles vom Bike zu rupfen, was nicht elementar notwendig ist. Die Ansichten über die Definition Schwedenchopper gehen ohnehin auseinander. Ein entscheidendes Moment ist auf jeden Fall der Minimalismus, der nichtmal einen auch noch so kurzen Federweg im Heck erlaubt. Starr ist Muss. Keine Grenzen - außer den physikalischen - sind dagegen der Länge der Gabel und dem daraus resultierenden Radstand gesetzt. Erlaubt ist, was nicht durchhängt und noch irgendwie um die Kurve geht. Daraus - dem landesdurchschnittlichen Kurvenradius - und jeweiligen Zulassungsbestimmungen des Heimatlandes ergibt sich jedoch nicht selten der Zwang zum Kompromiss. Der absolut cleane, authentische Schwede ist eigentlich nur in seinem Ursprungsland möglich. Oder doch nicht?

Remos MWH Custom ist auf jeden Fall ein Original, made in Switzerland. Klarer Beweis dafür ist der Rahmen, der 1997 im hohen Norden in der Schmiede von Deytec spezielangefertigt wurde. Es existieren lediglich drei Exemplare dieser Spezies und die CCCP war das erste Bike in Europa, indem er verbaut wurde. Die Gabel ist ein Eigenbau, 1" breiter und mit 24" over. Komplettiert durch die Räder von Düx - die zugegebenermassen aus Hamburg stammen - Bleibt das rolling Chassis ein Schwede. Das Kraftwerk, das über ein viergang Sputhe Getriebe an das 125er Hinterrad gekettet ist, hat eine Reise über den großen Teich hinter sich und ist mit der Gravur von Merch Performance einwandfrei Amerikaner. Aus der neuen Welt stammen auch die Negativbeschleuniger neben den Gummiträgern: mit Ausnahme der vorderen Zange stammen alle Elemente von Performance Machine, der Gast von SJP.                   Neben unzähligen Eigenanfertigungen und -Modifikationen ist die stilvolle tarnfarbene Teileversammlung recht international: Lenker (V-Team) und Griffe (VATICAAN) stammen aus Deutschland, die selbst modifizierten Fussrasten aus der Schweizer Traditionsschmiede Senn, der Tank nebst Deckel von Battistinis und damit einwandfrei aus England - und den Spiegel hat Remo nach eigenen Angaben von `nem Kinderfahrrad geklaut, Herkunft unbekannt.

Die CCCP ist also - zumindest unserer Meinung nach - ein astreiner Schwede, der ohne jede Einschränkung auch im Land seiner Urahnen entstanden sein könnte. Dank seiner Herkunft und der verwandten Teile muss man allerdings eingestehen, dass es sich eigentlich um einen amerikanisch-europäisch-skandinavischen Chopper im Schwedenstil mit Schweizer Lack im Russendesign handelt. Im übertragenen Sinn ist das also so eine Art Kreuzung zwischen Adler, Gamsbock, Elch und Bär. Wäre noch ein Eichhörnchen in der Ahnenlinie, hätte man einen Wolpertinger. Da die aber keine Räder haben, muss das Bike wohl doch ein Schwede sein.


Text: Carsten Schweinsberg

 
     
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