Das ist doch wieder typisch Journalist: Will wissen, warum CCCP die Skoal Bandit Racing gebaut hat. Die Antwort von Remo Bernasconi, oft nur "Coni" genannt, ist bezeichnend für einen, der macht und nicht fragt. "Zuerst wollten wir nur einen Töff fürs Znüniholen." Jaja, der Journalist hat verstanden: Coni weicht aus. Dabei weiß er sehr wohl, warum er die ganz andere Bandit gebaut hat. Erstens hat der Chopper-Spezialist an ernsthafter Fahrdynamik durchaus Interesse, zweitens hatte er einfach Lust, und drittens zeigen er und seine Männer damit, dass CCCP auch anders kann, als lang und flach und hinten breit.
Seit er sich 1998 selbstständig gemacht hat, ist Coni eine Bereicherung der Szene. Bierernst geht er die Dinge nicht an, selbst in seinen Kreationen blitzt immer wieder der Schalk durch, der ihn auch als Person kennzeichnet. Der Firmenname, identisch mit der Abkürzung für die längst verblichenen Vereinigten Sowjet-Republiken, ist auch ein bisschen Provokation. Aber nicht nur, der rote Stern ist durchaus ernst gemeinte Gegenposition: "Die USA war nie mein Ding!"
Amerikanische Motorräder hingegen schon, aber nicht nur. Begonnen hat er seine Töfflaufbahn auf einer KTM, für eine Harley-Davidson fehlte das nötige Kleingeld. Coni, der in Kriens aufgewachsen ist und seit 20 Jahren in Malters wohnt, machte eine Lehre als Konstruktionsschlosser. Später zog es ihn aber immer stärker ins Motorradgewerbe. So war er zwei Jahre beim KTM-Händler von Rotz beschäftigt.
Rustikale Umbauten wurden das Markenzeichen von CCCP. Aus Malters kommen nicht nur Show-Bikes, sondern auch fahrbare Spezialtöffs sind jederzeit gut für eine Show. Basis der Geschäftstätigkeit war in den letzten Jahren ein Starrahmen, für den die aufwändige Typenprüfung absolviert wurde. Langgabler in Militärgrün sah man von Coni, aber auch äußerst fahrbare Sportster-Umbauten.
Und nun die oder der Skoal-Bandit. "Mein erster Umbau der glänzt", grinst Bernasconi, der bislang auf Matt-Lackierungen schwor. Auffälliger ist noch die Gestalt des hochbeinigen Geräts. Dem altehrwürdigen Harley-Motor wirds vermutlich schwindelig in luftiger Höh. Basis für das wilde Treiben der CCCP-Banditen bildet eine weidwunde Sportster 883 Custom, Flugs wurde der Twin auf 1200 cm³ aufgebohrt. Größere Vergaser und der offene K&N-Luftfilter gehören zur ersten Motorausbaustufe. Das armdicke Auspuffrohr des vorderen Zylinders führt auffällig um den Motor rum. Die Abgase entfleuchen über zwei durchs Heck gezogene Rohre. Klar, dass auch das hochgezogene Heck eine Sonderanfertigung ist. Doch das alles war erst der Anfang einer groß angelegten Übung. Eigentlich konnte so gut wie gar nichts vom Original weiterverwendet werden. Außer dem Stahlrohrrahmen aus der Crash-Sportser. Massiv verlängert wurden die Federwege. Vorn steht der Bandit auf einer massiven WP-USD-Gabel, fürs Hinterrad lieferte Wilbers überlange Stereo-Federbeine als Sonderanfertigung.
Beim Umbau Richtung Supermoto profitierte Coni natürlich von seiner KTM-Vergangenheit und davon, dass er auch aktuell mit diesem Feld vertraut ist: Fürs Supermoto-Team Brun erledigt er die Schweißarbeiten.
Für diverse Teile bedienten sich die Umbauer aus Malters bei bekannten Herstellern wie Renthal und Magura. Doch zentrale Elemente mussten selber geschaffen werden. Besonders markant ist da die aus dem Vollen gefräste Leichtmetallschwinge. Sie besteht aus drei zusammengeschraubten Elementen. "Das Prinzip haben wir bei VOR abgekuckt. Es hat den Vorteil der Flexibilität." Die Kette läuft über eine Umlenkung oben und einen Kettenspanner unten. Ohne diesen Kniff hätte man die Schwinge wegen der großen Distanz Ritzel-Schwingenaufnahme viel zu flach anstellen müssen. Wegen der gänzlich anderen Fussrastenposition musste auch eine ganz neue Umlenkhebelei für die Schaltung konstruiert werden. Für den Look schließlich ließ sich Coni von Sponsoring-Auftritten der Kautabak-Firma Skoal in Nascar-Rennen inspirieren.
MMS konnte das Hochrad zu einem Proberitt in die Hügel bei Malters entführen. Dabei wurde schnell mal klar, dass der Skoal-Bandit trotz des Radikal-Umbaus nicht zum federleichtem Kurvenwiesel geworden ist. "Schon allein das Aufstellen vom Seitenständer braucht Kraft", wunderte sich der Supermoto-erfahrene Kollege Kloetzli. Auch in Fahrt blieben die Kilos und auch der üppig lange Radstand stets präsent, doch nach den ersten "verpassten" Bögen gewöhnte man sich an diese Bandit-Eigenheit. Ganz gut passte die Anordnung von Lenker und Rasten - damit lässt sich der Töff stilecht pilotieren. Nur in Sachen Knieschluss geht gar nichts, weil rechts der Luftfilter und links das Schaltgestänge stören.
Trotz einer gewissen Behäbichkeit lässt es sich mit dem Banditen toll den Hügel hochfeilen. Der Motor gibt sich gutmütig, nur ist die Endübersetzung etwas lang. Allerdings hat sich seit der Probefahrt im Spätherbst einiges getan, statt der gut 70 PS sollen dank klassischem Tuning nun 90 Rosse galoppieren. Das dürfte jetzt ganz gut passen! Auch die beobachteten leicht Kippeligkeit sollte inzwischen mit mehr Nachlauf behoben sein. Damit steht lustvollem Kurventigern nichts mehr im Wege, auch Korrekturen in Schräglage gehen problemlos vonstatten.
Immer ist das Customizer-Dasein nicht ganz so glanzvoll, wie es an den Shows scheint. "Ich bin sechs oder sieben Tage die Woche in der Werkstatt", erzählt der CCCP-Chef. "Dazu kommt eine Kundschaft, bei der die Ideen und Ansprüche zuweilen höher sind als der Kontostand. Da muss man einfach einmal abschalten." Das tut Coni bei einem Ausflug mit seinem soliden Land-Rover ins Gelände. Oder Ausflüge mit Kumpels. Einer ist für 2007 geplant: mit dem Töffli ("wie früher") ins Tessin. Wetten, dass Bernasconis Töffli nicht bloss 30 läuft!